Kunst Forum Weil der Stadt

 

Christian Günther

„Greed Again“

12.9.-10.10.2021

 


 

    Grußwort Vorstand und Gemeinderätin STL  Einführung Ulrich Bernhard

    Coronabedingt verstreute Zuhörerschaft        Künstlerwidmung mit Originalzeichnung

    Publikum jeglichen Alters ...

   

   

„Ich finde diesen ehemals sakralen Ort ideal, um ein Thema christlicher Ursünde, der „Gier“ (GREED), zu thematisieren“, beurteilte Künstlerkollege Ulrich Bernhard, der in die Ausstellung „Greed again“ einführte, den Ausstellungsort Wendelinskapelle und beantwortete anschließend folgende Frage ausführlich selbst: „Welche Faszination kann ein Film auslösen, damit der Künstler Christian Günther in unzähligen Variationen die Themen und Bildfolgen als Anregung für eigene Kompositionen verwendet?“

„Greed“ ist eine Ikone unter Cineasten. Erich von Stroheim beschrieb 1924 in seinem Stummfilm das Drama eines polternden und brutalen Helden, durch dessen Rohheit und eben maßlose Gier eine scheinbar zivilisierte Welt elendig zusammenbricht. Christian Günther fühlt sich durch die krasse Realistik und präzise Bildsprache des leider verschollenen Films, den er nur durch Standfotos kennenlernte, seit Jahren derart herausgefordert, dass er diesen zeitlos aktuellen Stoff ähnlich besessen immer und immer wieder mit den unterschiedlichsten Techniken als Maler und Zeichner künstlerisch aufgreift – „Greed again“ eben!

Form und Inhalt können in Kunstwerken glückliche Verbindungen eingehen – Christian Günther arbeitet sich ganz anders an dem Film „Greed“ von Erich (von) Stroheim ab. „Dass er vornehmlich die Gouache, also sich gegenseitig abstoßende Mittel wie ölhaltige Druckfarben, wassergelöste reine Pigmente, Wachs-, Öl-, Kohle- und Bleistifte verschiedenster Härtegrade, zu seinem Medium entwickelt hat, spricht bereits für den Widerspruchsgeist seiner Werke. Dass er selten ein einziges Motiv wählt und herausstellt, vielmehr auf einen Bogen mehrere Bilder nebeneinander stellt und gegeneinander ausspielt, ist ein weiteres Indiz dafür, dass er nicht die Harmonie, sondern die harten Kontraste sucht.“ (Heinrich Dilly im Katalog „Greed“ der Ausstellung im Amerika Haus Stuttgart 1993). Günther zerreißt diese Geschichten von Gier, jedes Ereignis, alle Zustände lustvoll in viele Bilder, die auf einem einzigen Blatt stehen können und aufeinander antworten.

 


Horst Peter Schlotter

„Weil-retrospektiv“- Arbeiten aus vier Jahrzehnten

27.6. - 25.7.2021

    Im Steinhaus Merklingen zeigt Horst Peter Schlotter eine Auswahl seiner Arbeiten aus den vergangenen vier Jahrzehnten – seit er eben in Weil der Stadt-Münklingen wohnt und arbeitet. Über 3 Stockwerke hinweg sind vor allem Bilder, auch Skulpturen, eine Installation und interessanter Weise eine Menge Bücher zu sehen: „Mal-Tagebücher“, Notationen 1982 bis Juni 2021, Zeichnungen, Collagen,  Übermalungen, Bilder, die manchmal auf Tagesaktuelles reagieren, auf Empfindlichkeiten, Begegnungen, auch frei Improvisiertes. Die Untertitel wie „I don’t know what it is“ (Zitat Bob Dylon) verraten einiges über die Vorlieben des Künstlers: Musik, Literatur, Philosophie.

    Steinhaus mit Ausstellungsbanner                Die Vorsitzende begrüsst den 'Maskenball'     Grussworte BM Christian Walter & Einführungsgespräch Irene Ferchl mit HP Schlotter 

"Wir freuen uns, dass diese für 2020 geplante Ausstellung des Mitbegründers und künstlerischen Kopfs unseres Vereins, Horst Peter Schlotter, nun stattfinden kann“ – so eröffnete 1. Vorsitzende Silvia Tanczos-Lückge die Vernissage vor zulässigen 60 vermummten Besuchern im Steinhaus. Dieser allgemeinen Freude schloss sich auch Bürgermeister Christian Walter an, der schon als BM-Kandidat am 5.7.2020 von Anja Luithles „Tafelrunde“ in Weil begeistert war: „Die Lust ist groß, ohne Kultur wird’s still... das Kunstforum ist eine tolle Institution, auf die die Stadt stolz ist."

Im einführenden Gespräch mit der Autorin Irene Ferchl, die Schlotter als „freundschaftliche und wortfindende Begleiterin seit Jahrzehnten“ vorstellte, sprach der Künstler gleich zu Anfang die Probleme beim Bespielen des ehrwürdigen Gemäuers an: „Ich hatte die Idee chronologisch zu hängen, habe aber gleich gemerkt, das geht nicht! Die andere Idee war dann: aus jedem Jahr wenigstens eine Arbeit aber das habe ich dann auch nicht geschafft“. Ferchl sah im dominierenden Bild „In Stücken in der Zeit treiben“ von 2016 im 1. Obergeschoss, auf Plakat und Einladungskarte abgebildet, alle typischen Elemente Schlotterscher Arbeiten: „Dinge oder Undinge, Schalen, Köpfe, Naturprodukte... es können erkennbare Dinge sein, aber auch Bewegungselemente, die eine große Rolle spielen.“ In einem der ausliegenden Kataloge („Bilder im ersten Jahrzehnt 2000-2010“) war ihre treffende sensible Analyse seines Schaffens zu finden: „Man muss nicht eigens betonen, dass die Gegenstände für Horst Peter Schlotter nicht Selbstzweck sind, sondern er sie zum Anlass nimmt, Farben und Formen zu erproben, lustvoll mit ihnen zu spielen, sie in Bewegung zu versetzen oder zum Innehalten zu zwingen – und sie ein Eigenleben entfalten lässt. Statik und Labilität ist (nun) sein Thema, wie es früher das Wachsen von Pflanzlichem, das Unterwegssein von Gehäusen oder das Strömen von Figuren war ... ‘Eine Art Vorgang’ und voller Dynamik ist selbstverständlich der Prozess des Malens selbst: der Künstler gibt und empfängt bei diesem interaktiven Geschehen. Er erschafft etwas und reagiert wiederum darauf, gestaltet und verändert sich selbst dabei.“

Im Steinhaus wurde ein Videofilm als bleibende Erinnerung an die Ausstellung des Kunstforums und in diesem Zusammenhang auch ein Kurzportrait des Künstlers erstellt. Beide Filme sind auf Youtube zu sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=udTU0ba7-Qc&t=2s&pp=sAQA

https://www.youtube.com/watch?v=0Bo5K-qp6aI&pp=sAQA

Ein ‚Schlotter’ ist in Weil der Stadt auch über die Ausstellung hinaus zu erleben: ein Abguss seiner Holzskulptur „Gedanke“. Es ist eines der Kunstwerke von 22 Künstlern, das 2017 auf einem Skulpturenweg unter dem Motto „Hier Brenz! Feuer und Flamme für Reformation“ anlässlich des Reformationsjubiläums vor der Brenzkirche aufgestellt wurde und weiterhin dort seinen hervorragenden Platz hat!


 

Tine Schumann

"Umbau", Bilder und Installationen

28.2.-28.3.2021

Tine Schumanns Ideen zur Ausstellung: Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf die
 allgemeine Situation mit Corona.
 Es ist derzeit nicht absehbar, wie lange wir noch in dieser Situation sein werden und wie auch die Notwendigkeit zur Flexibilität ein fester Bestandteil unseres Lebens werden. 

„Ich als Künstlerin bin in eine Situation geworfen, bei der die Ausstellungsbedingungen auch für alle weiteren Beteiligten: das Kunstforum, den Redner und das Publikum nicht klar absehbar sind. So habe ich entschieden den Umbau zum Programm zu machen und auf die sich hoffentlich positiv verändernde Situation auch während der laufenden Ausstellung zu reagieren.“

Ein Blick von Außen war von der Künstlerin von anfang an geplant. Als provisorischer Anbau an der Kapelle wurden Treppen angebracht, so dass auch über die Fenster an Ost- und Südseite in die Kapelle Einsicht genommen werden kann. Der Innenraum der Kapelle ist Montag - Donnerstag 16 - 20 Uhr und Freitag - Sonntag 11 - 22 Uhr beleuchtet!

​Zusätzlich ist es unter Hygieneregeln möglich sich die Kapelle öffnen zu lassen. Voranmeldung bei Silvia Tanczos-Lueckge unter Tel. 07033 529733.

    Ausstellungseröffnung im Außenbereich       Einführungsrede HP Schlotter

    Grußworte des Bürgermeisters                   Fensterblick an der Süd- und Ostseite

   Blick von der Rampe durch das Ostfenster   ins Kapelleninnere     

Weitere aktuelle Informationen und ein Video zur Ausstellung finden sich unter https://www.tine-schumann.de/wendelinkapelle-weil-der-stadt

 

Die Atmosphäre in Tine Schumanns Bildern und Installationen ist konfliktreich und die Szenerie voller Unruhe: Polizisten, Demonstranten, Vögel, Hunde und Wölfe stehen sich gegenüber. Der Mensch ist Tier und verletzliches Wesen in einem fragilen System.

Allerdings sucht man in Schumanns sensiblen Zeichnungen vergeblich nach Darstellung offener Gewalt. Eine Bedrohung entsteht aber durch das Fehlen einer eindeutigen inhaltlichen Orientierung oder Geschichte.

Berichtet wird vom Leben in der Gesellschaft als permanenten Formungsprozess mit steter Veränderung und Verunsicherung. Szenen werden detailgenau beschrieben, zum Teil höchst impulsiv, mit großer Könnerschaft – man merkt der 1972 in Kirchheim geborenen Künstlerin ihr Studium der Malerei bei Sighard Gille an der HGB Leipzig an, das sie 2007 mit Diplom abschloss – Leipziger Schule!

Äußerst versiert zeigt sich Schumann darüberhinaus als Installationskünstlerin: eine seltsame Unruhe beschleicht einem beim Betreten des in allen Dimensionen bespielten Raumes, man sieht sich regelrecht beäugt, überwacht – nachdenklich in diesem erzählfreudigem Geschichtenraum.

  "Nur mit der Ruhe", Ausschnitt                      "fall", Ausschnitt

„Tine Schumanns Werke handeln vom drohenden Verlust des Gleichgewichts der Kräfte alles Lebendigen als Ursprung von Gewalt. Der öffentliche Raum wird täglich mehr und mehr zum Ort der Auseinandersetzungen zwischen gesellschaftlichen Interessengruppen und politischen Kräften. Eigene Erfahrungen und Beobachtungen verdichtet und verfremdet sie zu begehbaren Bildern... Ihre Kunst steht verbindend zwischen Geschehnis und Betrachter, der die Darstellung symbolisch überhöht nachempfinden kann, aber faktisch nicht nacherleben muss. Damit schafft sie...einen ‚Denkraum der Besonnenheit’, von dem Aby Warburg mit Bezug auf...die läuternde Funktion von Kunst sagte, in ihr verkörpere sich der gesamte ‚Leidschatz der Menschheit’.“ (Barbara Straka)