Kunst Forum Weil der Stadt

 

Brigitte Tharin

„STÖRUNG STILLE“, Malerei in Öl und Asche

6.3.-27.3.2022

Unsere 1. Ausstellung in diesem Jahr findet im Rahmen der Frauenwochen statt, mit Brigitte Tharin konnte man letzten Sonntag in der Wendelin-Kapelle eine besondere Vernissage erleben. Schon am Eingang wird man mit einem Gedicht von Ulla Hahn „... wenn wir tiefer atmeten...“ konfrontiert, entschleunigt.

  Begrüßung im Kapelleneingang                     Grußwort 1. Vorsitzende zu "Frauenwochen"Performative Gesten der Stille - Brigitte Tharin  Aktion an Besucher weitergegeben...           Korrektur nach der Performance - mit links  Künstlerkollegen im Gespräch                    Brigitte Tharin mit Vernissagegesellschaft

Stille ist ein wichtiges inhaltliches Element des malerischen Gestaltens von Brigitte Tharin.  

Auch während der ausgesprochen gut besuchten Vernissage kehrte aufmerksame Stille ein, als die Künstlerin in ausgreifenden Armbewegungen wie mit Zirkelschlägen einen Kreis beschrieb und damit auf einem an der Stirnwand der Kapelle gespannten Papier mit schwarzer Ölkreide diese Bewegungsspur sichtbar machte.

Mit Blick und Gesten aufgefordert ergriffen auch einige Gäste die farbigen Ölkreiden und wiederholten und ergänzten die konzentriert gesetzte Kreisform.

In den verschiedenen Bildformaten ihrer Ausstellung zeigt Brigitte Tharin ja ebenfalls eine entschieden stille und konzentrierte ungegenständliche Bildsprache. Es sind Malereien, die materiell aus einem Prozess der Verschmelzung von Asche und Ölfarbe entstehen.

Asche ist zum zentralen Ausdrucksmittel der Malerei von Brigitte Tharin geworden. Es begegnen sich klassische Ölmalerei und Asche, Chaos entsteht und Zerstörung. Das Charakteristische der Asche ist doch das Staubige, Graue, das Erstickende. Was mittels der Farbe erblühen will, wird durch die Asche zerstört. In manchen Bildern zeigt sich die Asche erhaben und machtvoll, in anderen wiederum führt sie einen unerlösten Kampf im materiellen Gemenge. Malerei wird existentiell: nach der Asche ist nie mehr vor der Asche.

„Als ich vor 25 Jahren die Asche für meine Malerei entdeckte“, so die Malerin, „stand ich inmitten von abgebrannten Olivenhainen, auf der griechischen Insel Samos. Es hatte mal wieder kräftig gebrannt. Mit den verkohlten Oliven, die noch an den verbrannten Bäumen hingen, fing ich an zu zeichnen. Ihre schwarzen Kohlespuren wurden durch das enthaltene Olivenöl farbintensiver und auf dem Blatt konserviert. Bald machte ich weitere Versuche durch flächiges Auftragen von Asche und Olivenöl.“

Wieder zuhause im Atelier ersetzte sie das Olivenöl durch Ölfarben. Es begann ein langer „Ascheweg“ und sie lernte die Nuancen der verschiedenen Aschen kennen: „Fichtenasche reagiert anders auf Farbe und Material als Buchenasche“.

Obwohl sie einen gewissen „Nullpunkt der Malerei“ erreicht, wie die Malerin in einem Katalogtext formuliert, erscheint dieser als entleerte und dadurch verdichtete und strukturierte Fläche, die eine lebendige Schönheit in sich trägt, in der die Kraft der Stille und des Innehaltens zum Tragen kommt.

Nach ihrer zeichnerischen Performance zur Eröffnung sprach Brigitte Tharin in einer kurzen Rede nicht etwa über ihre Bilder und künstlerische Position, sie zitierte dagegen mehrfach Agnes Martin (1912-2004), zu der sie eine „innere Resonanz“ empfindet. Diese kanadisch-US-amerikanische Malerin setzte sich ebenfalls mit „stillen“ minimalistischen Ausdrucksweisen auseinander. Martin gehört generationsmäßig zu den ‚Abstrakten Expressionisten’ wie Jackson Pollock und stand in New York in enger Verbindung mit Mark Rothko, Begründer monochromer ‚Farbfeldmalerei’, Ad Reinhardt, Elsworth Kelley. Agnes Martin:

„Malen ist keine Produktion von Bildern. Es ist eine Entwicklung des Bewusstseins und mit der Bewusstseinsentwicklung verändert sich deine Kunst. Sie findet Anklang im Innern des Künstler und inspiriert seine Arbeit. Doch wenn sie keine Resonanz findet, wird sie niemanden ansprechen.                                                                    

Wir können nicht das inspirierte Leben und die Konventionen gleichzeitig leben.

Im Gästebuch des Kunstforums in der Wendelinskapelle finden sich Grüße, die eine empfundene Bereicherung in der Begegnung mit der Kunst von Brigitte Tharin zum Ausdruck bringen – dieses Gedankenmitteilen bereitet Freude!

Wer die Begegnung mit der Künstlerin und ihrer Malerei sucht, findet ein außergewöhnliches Angebot während der Ausstellung: Jeden Samstag und Sonntag ist Brigitte Tharin in der Ausstellung, und Besucher sind in dieser Zeit (11-17 Uhr) eingeladen „mit ihr zu schweigen, zu malen, Tee zu trinken“. Brigitte Tharin malt, schweigt, trinkt Tee   „Bedrohung“ 2022, Öl und Asche auf Holz „Störung Stille III“, 2021, Ausschnitt              Einladung zum Malen für Besucher