Kunst Forum Weil der Stadt

 

Hans Mendler

Punkt, Punkt, Komma, Strich ...

21. April - 12. Mai 2024

„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“ Mit diesem Zitat eröffnete Jürgen Katz, der 1. Beigeordnete von Weil der Stadt, am Sonntag die erfrischende Ausstellung „Punkt, Punkt, Komma, Strich…“ von Hans Mendler in der Wendelinskapelle Weil der Stadt.

Christina Ossowski, die ehemalige Kulturamtsleiterin seiner Heimatstadt Leonberg, hielt die kurzweilige Eröffnungsrede und informierte die etwa 90 anwesenden Besucher*innen mit einem Augenzwinkern, dass die Ausstellung ohne Menschen noch schöner sei. 

Wenigstens die großen Formate und die leuchtenden Hinterglasbilder blitzten durch die Menschenmenge und wenn man Glück hatte, stieß man im Gedränge auf die eine oder andere humorvolle Bronzeplastik, etwa „die 12 Geschworenen“, kleine ausdrucksstarke Köpfe, einer davon ein Esel. 

Bei manchen Arbeiten bleibt einem das Lachen auch in der Kehle stecken. So versucht eine aufgetakelte Hinterglasdame mit erschreckend rot lackierten Fingernägeln im wahrsten Sinne des Wortes den Rahmen zu sprengen, während man vor lauter Entzücken über ein Figürchen im Miniformat übersieht, dass ihr das Blut aus den Ohren fließt. Bei aller Tragik und allem Humor: der Bildinhalt wirkt nie krampfig gewollt. Laut Mendler entsteht er aus dem lustvollen Spiel mit Farben und Materialien, vielleicht aus dem Unbewussten.

Zum Abschluss der Vernissage lud die Vorsitzende Silvia Tanczos-Lückge zu der besonderen Veranstaltung „Kunst und Wein“ am 4. Mai um 18 Uhr ein. Und bis zur Finissage am 12. Mai mit Künstlergespräch um 16 Uhr kann man die Ausstellung gern weiterhin entdecken zu den üblichen  Öffnungszeiten der Wendelinskapelle: Fr 16-19 Uhr, Sa + So 11-17 Uhr (die Einführungsrede ist dort einsehbar neben einigen Katalogen des Künstlers und der Preisliste aller Exponate)!

   Begrüßung Silvia Tanczos-Lückge                 Jürgen Katz mit Grußwort der Stadt

Christina Ossowski, Einführung in das Werk Hans Mendlers (3. v.r.)

Lebendige Kapelle nach der Vernissage mit Kunstgesprächen und -betrachtungen

  

   

   

„Kunst und Wein“ in der Wendelinskapelle

Dieser Besucherandrang zu „Kunst und Wein“ war nicht zu erwarten, aber Hans Mendler zeigte sich auch außergewöhnlich vielseitig: unprätentiös unterhaltsam, insidermäßig informativ, beiläufig philosophisch erzählte er Wissenswertes gelassen zwischen den einzelnen Verkostungen, unterstrich das Gesagte mit Fotodokus per Beamer und führte die gemeinsamen Lieblingsweine aus Südungarn vor, Herkunftsland seiner Frau Marta und ihre zweite Heimat.

Proben vom Rosé Cab.Sauvignon-Blaufränkisch aus Szekszárd über Sauvignon Blanc bis Cabernet Frank u.a. aus Villány der Weingüter DUZSI, KÜRTI und SAUSKA (extra nobel) wurden gereicht mit einem ungewohnten Gelbermuskateller aus Tokaj als Zugabe. Warmes Käsegebäck und delikate Olivenpaste auf selbstgebackenem Walnussbrot ergänzten den mehr als gelungenen Abend. Voller Erwartung - für die Fotodemonstration wird "4 x verrückt" einfach abgehängt Interessiertes Zuhören - gelöste Stimmung beim Zuprosten: Hans und Marta Mendler

Zur Finissage und "Kunst im Gespräch" gab Hans Mendler vor interessierter Runde erhellende Einblicke in seine Schaffensweise und berichtete freimütig, wie ihn Material, Situationen oder auch interessante Künstler inspirieren. Die Gestaltung einer Ausstellung, das Zusammenspiel der Arbeiten überlasse er gern seiner Frau Martá, wichtig sind ihm die Werke selbst, auch die Platzierung der Skulpturen auf besonderen Sockeln oder Rahmung der Bilder. Bezüglich Ausstellungen haben beide dieses Jahr noch viel zu tun: der frisch gedruckte opulente mehrsprachige Katalog „An drei Orten“ berichtet von weiteren Präsentationen - außer Weil der Stadt in Compiègne, Frankreich, und Budapest, Ungarn. Danke für den Kunstgenuss hier in und vor der Wendelinskapelle - die Außenskulptur wird wohl stehen bleiben!

 

 

 

 

 

 

 


Schon traditionell beginnt das Kunstforum sein kulturelles Jahresprogramm zu den Weil der Städter Frauenwochen und meist mit einer weiblich besetzten Ausstellung. Diesmal mit 2 Künstlerinnen, die sich hier zum 1. Mal begegneten. Und die Bilder von Edda Jachens und Skulpturen von Monika Majer ergeben einen erstaunlich spannungsvollen Zusammenklang, von dem der 2. Vorsitzende Dr. Marko Burghard bei der Begrüßung der zahlreichen Vernissagegäste sprach. Auf den gemeinsam verständigten Titel „Feine Tektonik“ bezog sich anschließend Dr. Sonja Nolte, die in Ihrem herzlichen Grußwort der Stadt kenntnisreich von regionalen Netzwerken berichtete, die in Weil der Stadt regelrecht übereinander lagern, vom staufischem Straßennetz, den orthogonal darunter verlegten Wasserleitungen, oben einer Tektonik von Dachziegeln bis hin zu Normmaßen eben dieser Ziegel.

Edda Jachens schafft in ihren vielschichtigen Wachsarbeiten und Aquarellen mit reduzierten Geometrien und Strukturen warme Räume, in die man eintreten und sich entführen lassen mag in bekannt Unbekanntes, das weiterweist. Ausgangspunkt ihrer Werke sind Aquarelle mit geometrischen Grundmotiven, entweder farbig oder schwarz-weiß, in denen sie durch Schichtungen und Rückungen eine pulsierende  Räumlichkeit entstehen lässt.

Monika Majer wandelt harte Natursteine in selbstverständlich fließende Formen von sanfter Weichheit und Sinnlichkeit, die man berühren und sich der eigenen Präsenz vergewissern möchte. In diesen plastischen Werken ist es möglich, Assoziationen zu schon gesehenen Dingen wie Naturformen zu finden, sie sind jedoch keine Abstraktion, sondern entstehen aus sich heraus aus dem Arbeitsprozess, worauf auch Titel wie „ohne Weiteres (zart suchend)" verweisen. Sie scheinen oft zu schweben oder zu balancieren. In Verbindung mit der feinen Oberfläche wird der Titel „Feine Tektonik“ sofort anschaulich.

Betrachter können sich bei dieser Ausstellung an ästhetischem Hochgenuss erfreuen  oder noch ganz andere Gefühle empfinden, wie dies Dr. Tobias Wall in seiner Einführungsrede eindrucksvoll ausdrückte: „Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie wohltuend diese Ausstellung für mich ist. Ich weiß nicht, wie es ihnen geht: Ich habe aktuell so ein großes Bedürfnis nach Ruhe, nach einem Ort, an dem mich dieser ganze, kaum zu ertragende Lärm der Gegenwart in Ruhe lässt, ein Ort, der mir „Kraft und Licht“ gibt. Ich finde ihn hier, in der Wendelinskapelle, hier in dieser wunderbaren schwebenden Ausstellung.“

Dr. Tobias Walls Einführung begann mit einem fulminanten Monolog und mündete in ein Künstlerinnengespräch (im PDF nicht enthalten) über Vorgehensweise, Material, Entstehungsprozess und vor allem der Frage: Darf man die Kunstwerke berühren? „Kunstwerke nicht berühren“ steht groß innerhalb der Ausstellung und ist verständlich auf Grund der Sensibilität oder Labilität der Werkstoffe, vor allem aber einer Grundhaltung von Kunstgenuss: Die Kunstwerke zu sich kommen lassen, sie nicht vereinnahmen wollen! In Erinnerung bleibt Dr. Walls Zitat des ukrainischen Komponisten Oleksandr Shchetynsky: „Leider schützt uns die Kunst nicht vor dem Angriff des Bösen. Das Schöne ist nicht imstande, die Welt zu retten, aber es gibt der Menschheit Kraft und ist das Licht, das die Dunkelheit besiegt.“

  Begrüßung Dr. Burghard (Kunstforum)           und Dr. Nolte (Bürgermeistervertreterin)

  Mikrofonhöhe, Scherz zur Frauenwoche?  -  von Dr. Tobias Wall gemeistert!

"Das Schöne ...gibt der Menschheit Kraft ...das Licht, das die Dunkelheit besiegt"

  Künstlerinnengespräch Edda Jachens    -       und Monika Majer

 

Gesprächsaustausch an der Vernissage                  

 


2024 feiern wir 30 Jahre Kunstforum - aber wie! Wir stellen uns breiter Öffentlichkeit mit einer großen Installation von Johannes Pfeiffer!                 CHRISTO machte neugierig durch Verpackungsaktionen (Berliner Reichstag 1995), Pfeiffers Arbeit dagegen ist offensichtlich: rohe und behauene schwere Sandsteine liegen übereinander gestapelt auf dem Boden, feine weiße Schnüre werden von ihnen aus gebündelt hochgespannt zum südlichen Seitenschiff der Kirche. Das sieht jeder, vielleicht auch den herausgemeiselten Namen KEPLER. Und manche nehmen noch mehr wahr als diese konkreten Dinge, vielleicht erst auf dem zweiten oder weiteren Blick. Auf den ersten bewirkt die Störung des Gewohnten zumindest, dass man auf das Gestörte selbst neu aufmerksam wird! Großartige Architektur, unsere Stadtpfarrkirche! Und kein Löchlein wurde ihr angetan, nur ein bereits vorhandenes verklebt, und das wird rückstandslos im Oktober wieder beseitigt! Dies war bei allen Projekten Pfeiffers so, ob in Ulm, Berlin, vielerorts Italien, sogar in Chile...

    Pfeiffer mit Klebepistole am südlichen Seitenschiff - Begrüßung Pfarrer Gruber

   Schnurspannung wird hergestellt                     und erklärt