Kunst Forum Weil der Stadt

 

Jeff Koons, Dirty–Jeff On Top,1991

F r e i h e i t   i n   d e r   K u n s t   –   i s t   a l l e s   e r l a u b t  ?

Martin Kippenberger, „Zuerst die Füße“, 1990 - Projektion beim Diskussionsabend am 20. September in der Wendelinskapelle

Grundgesetz-Artikel 5 Absatz 3 Satz 1: "Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei". Ist in der Kunst deswegen alles erlaubt? Eine erstaunliche Zahl munterer Diskutanten wurde in der Abendveranstaltung des Kunstforums zunächst mit Bildbeispielen vergangener und aktueller Kunstgeschichte konfrontiert. HP Schlotter hatte sie als moralisch umstritten ausgewählt und an die Kapellenwand projiziert: sexuell irritierende Kunstwerke, gar pädophil anmutende  Arbeiten, die inzwischen in Museen abgehängt wurden, aber auch Gewaltexzesse oder angebliche Auswüchse von Blasphemie wie Martin Kippenbergers gekreuzigten Frosch oben! Uta Dingethal, anfangs bewusst keine Definitionsversuche von Kunst oder Moral zulassend, führte gewohnt souverän durch die Diskussion von Fachleuten und Laien.

Hanjo Schmidt, durch seine Kapellen-Ausstellung von 2008 mit provozierend realistischen Bildern noch gut in Erinnerung, reagierte auf all die moralisierenden Einwürfe seiner Umgebung grundlegend: die Aufgabe eines Künstlers kann oder muss bisweilen gerade darin bestehen, die herrschende Moral bewusst in Frage zustellen! Rückendeckung erhielt er von einem Juristen, der Moral nicht als feststehende Konstante bestätigen konnte. Und ein sich „Kunst-Otto-Normalverbraucher“ bezeichnender Teilnehmer brachte es auf den Punkt: Moral ist dem Zeitgeist geschuldet, Kunst dagegen ist frei, rennt partiell gegen den Zeitgeist an und hatte gerade dadurch großen Anteil an unserer zivilisatorischen und kulturellen Evolution!

Sofern allerdings ein Kunstwerk einen sakralen Hintergrund besitzt (oben Kippenbergers gekreuzigter Frosch mit heraushängender Zunge und Bierkrug in der Hand!), besteht Idealkonkurrenz zur Religionsfreiheit aus Art. 4 GG. Diese und andere Konkurrenzen zu weiteren Grundrechten müssen schlussendlich Gerichte entscheiden.

Die lebhafte Diskussion in der Wendelinskapelle erfüllte ergebnisoffen aber praxisnah einen wichtigen Vereinszweck unseres Kunstforums, das allgemeine Kunstverständnis in Weil der Stadt zu fördern!

  

 

 

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