Kunst Forum Weil der Stadt

 

 

"Kunst und Wein" am 7.10., Fr. 18-20 Uhr in der Wendelinskapelle

„Kunst im Gespräch“ zur Finissage am So., 9.10. um 16 Uhr – der Künstler ist anwesend!

 

 

Willem Julius Müller

Apokalyptische Landschaften – Malerei

18. September – 9. Oktober 2022

W. J. Müller ist einerseits ein Poet der Bilder, der die Welt im Licht der Farben erkundet. Er konfrontiert die Kraft der Natur mit dem Verfall und den Relikten in verlassenen Landschaften. Dabei setzt er eine übersteigerte und auch verfremdete Farbigkeit ein, die seine Lust  und Freude am Umgang mit dem Medium Malerei zeigt. Der Künstler schafft so eine eigenartige und faszinierende Stimmung, die zu einem Markenzeichen seines Werks geworden ist.

„Willem Julius Müller stellt andererseits aber auch inhaltliche Fragen. Die Bilder lassen sich als Reflektionsflächen begreifen. Müller steht als Mahner da, er erschafft bühnengleiche Szenarien und gibt damit Denkanstöße für den Betrachter, die vielschichtig interpretierbar sind und oftmals in der Schwebe verharren. Es sind menschenleere apokalyptische Landschaften. Die Welt, wie wir sie kennen, scheint ausgelöscht, zurückgelassen, von der Natur besiegt und eingenommen“, so Philipp Schumann im Vorwort des Katalogbuchs „Apokalypse als Anfang“

Und Jörg Scheller fragt in seinem Katalogtext: “Was aber bliebe, wenn die Menschen einmal nicht mehr wären? Es bliebe wohl das, was man einmal die nicht-menschliche ´Natur´ nannte, auch blieben technische und kulturelle Relikte ohne Beobachter, die sie als solche erkennen könnten....“ Scheller bemerkt dann an anderer Stelle: “Beim Betrachten von Müllers Gemälden sehen wir aber nicht nur Darstellungen technologisch-architektonischer Relikte und wuchernder Natur, sondern auch etwas, das nicht im Bild, sondern das Bild ist – Kunst!“

Auch wenn die Gattung der Ölmalerei auf Leinwand schon oft totgesagt wurde, sie lebt noch -und immer wieder auf ’s Neue. Vielleicht lässt sich die Thematisierung der endzeitlichen Atmosphäre auch als Anspielung auf die Malerei verstehen, die immer wieder untergeht, um von Neuem aufzugehen.

Das Kunstforum Weil der Stadt widmet dem Künstler, der auch Jurist ist, die 3. Ausstellung im Programm 2022. Müller lebte und arbeitete nach dem Jurastudium und Kunststudium in Hamburg und Berlin viele Jahre dort und war neben diversen Ausstellungen in Deutschland in der Berliner Kunstszene aktiv. Jetzt ist er für eine Stelle an der Kunstakademie mit seiner Familie in den Stuttgarter Raum gezogen und stellt sich mit dieser Ausstellung im süddeutschen Raum vor.

Die Ausstellung findet im Rahmen des landesweiten Ausstellungsprojekts „Trüffelsuche“ 2022/2023 des Künstlerbunds Baden-Württemberg statt. Bei der Vernissage am Sonntag begrüßte Silvia Tanczos-Lückge die Besucher, Jürgen Katz, der 1. Beigeordnete, überbrachte die Grüße der Stadtverwaltung und H.P. Schlotter führt in einem Gespräch mit dem Künstler in die Ausstellung ein.

Öffnungszeiten der Ausstellung: Freitag von 16-19 Uhr und Samstag und Sonntag von 11-17 Uhr: Wendelinskapelle Weil der Stadt, Herrenberger Str.17 – Freier Eintritt.

       Grußworte der Kunstforum-Vorsitzenden, Grußbotschft des 1. Beigeordneten der Stadt

       Einführung in die Ausstellung: HP Schlotter im Gespräch mit dem Künstler

Farbe und Gegenstände der Bilder wurden vereinzelt in den Raum katapultiert

       Vernissagegäste im Gespräch vor Bildern und Gedankenaustausch mit dem Künstler

      

Willem Julius Müller zum Motiv seiner Bilder: „Es geht mir nicht darum, einen Ort zu illustrieren, sondern gute Bilder zu malen. Teil meines künstlerischen Ansatzes ist es, dass einzelne Flächen in die Abstraktion abrutschen und sich verselbständigen. In diesem Sinne hat Kunst für mich auch etwas Prozesshaftes. Oft ist es so, dass ich mit einem nahezu abstrakten Bild anfange, worauf sich dann die Gegenständlichkeit sukzessive aufbaut und immer weiter verdichtet.“ (W. J. Müller im Gespräch mit Ina Grätz im Katalog "Apokalypse als Anfang")

Die Auseinandersetzung zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion sei zentral für seine Bilder geworden, trotzdem würde er sich als gegenständlichen Maler bezeichnen. Die Übersteigerung der Farbskala, bisweilen auch ein Giftgrün oder starkes Magenta, diene ihm dabei als Stilmittel, eine Spannung zwischen dem Abgebildeten und der Farbgebung und damit eine Bildaussage zu erzeugen.

„Apokalypse“ heißt „Enthüllung“, wird in christlicher Literatur als „Offenbarung, Gottes Gericht, Weltuntergang, Zeitenwende“ bezeichnet. Jörg Scheller setzt sich in seinem Beitrag zum Katalog „Apokalypse als Anfang“ mit einer interessanten Frage auseinander: „Die Rede vom >Ende< bezieht sich meist nicht auf die totale Zerstörung der Welt, wie sie in Hollywood-Blockbustern droht. Vielmehr ist das Ende der menschlichen Lebensformen gemeint – das Ende der Sünden, der körperlichen Leiden, der großen Kriege, der politischen Grabenkämpfe. Und damit auch das Ende der Menschen, wie wir sie zu kennen glaubten. – Was aber bliebe, wenn die Menschen einmal nicht mehr wären?“

Willem Julius Müller antwortet in Bildern: menschenleere Landschaften mit Relikten des Anthropozäns. Sie kennzeichnet eine „Spannung aus vibrierender Atmosphäre und kühler Strenge“ (Scheller). Die Vegetation geht in Abstraktion über mit Farben „in psychedelischen Verläufen“, Drippings und schillernden Lasuren. Verbal hält er sich zurück  –

das können wir ändern bei „Kunst im Gespräch“ zur Finissage am So., 9.10. um 16 Uhr – der Künstler ist anwesend!

Bei "Kunst und Wein" am 7.10., Fr. 18-20 Uhr ebenfalls in der Kapelle klären wir’s in angeregter Runde untereinander!