Kunst Forum Weil der Stadt

 

Die letzte Ausstellung im Jahr 2021 widmet das Kunstforum Weil der Stadt dem 1962 geborenen Pforzheimer Künstler Harald Kröner. Titel der Ausstellung: „Matsushima“, Arbeiten auf Papier und Neons

Kröner blickt auf eine rege überregionale Ausstellungstätigkeit zurück, er wird von Galerien in Frankfurt, Ettenheim und Solothurn vertreten, Arbeiten von ihm finden sich in zahlreichen institutionellen und privaten Sammlungen im In- und Ausland.

„Prägend für die Kunst von Harald Kröner ist der Wunsch, das Planbare zu überlisten. Alle Welt denkt und handelt nur noch im Rahmen von Projekten und Plänen. Niemand lässt sich gern auf Unvorhergesehenes ein. Dieses Paradigma hebt Harald Kröner in seiner gezeichneten Welt auf und eröffnet Raum für den Zufall und das Unerwartete.“ (Ausschnitt Dr. Gudrun Knaus im Katalog „cut“)

Kröner ist in allererster Linie Zeichner, allerdings weniger mit Bleistift und Papier, vielmehr arbeitet er mit unterschiedlichsten Materialen, farbigen Tuschen, Beizen, Ölfarbe, Hochglanzlacken und Collagen, die nicht selten Alltagsmaterialien in seine Arbeiten einbeziehen. Vielleicht müsste man auch sagen, er arbeitet auf sehr vielfältige Weise mit und auf Papier, von im übrigen handtellerkleinen Miniaturen bis hin zu sehr großen wandfüllenden Arbeiten.

Die Leuchtschriften, die er in Neon ausführt und von denen eine kleine Auswahl an und in der Wendelinskapelle zu sehen ist, spielen sowohl in seinen Arbeiten im öffentlichen Raum und bei Kunst am Bau eine wichtige Rolle als mittlerweile auch als autonome Werkgruppe in seiner freien Arbeit.

Die Ausstellung in der Wendelinskapelle zeigt in einer eigens dafür angefertigten Installation gewissermaßen wie die ineinandergesteckten Schalen einer Matroschka eine kreisförmig angelegte Neonarbeit, eine Auswahl aus den großformatigen Lack- und Tuscharbeiten und als innersten Kreis eine Auswahl aus den kleinformatigen Zeichnungen der letzten beiden Jahre.

Dieser neue Werkkomplex von etwa 300 Arbeiten war in der Folge einer Japanreise im Jahr 2019 und dann natürlich auch unter den Bedingungen des notgedrungenen Rückzugs ins Atelier in Zeiten von Corona entstanden.

Matsushima ist ein für seine Schönheit vom berühmten Haiku-Dichter Basho gerühmter Ort an der Ostküste Japans. Eine kleine Serie von Drucken zu einem dort aufgefundenen „Allomyrina dichotomus“, einem japanischen Samuraikäfer, wurde titelgebend für die Ausstellung.

 

Öffnungszeiten in der Wendelinskapelle: Freitag 16-19 Uhr, Samstag und Sonntag 11-17 Uhr - darüberhinaus auch gern nach tel. Vereinbarung: 07033-6332 und 07033-2117.

   Tischlerarbeit beim Aufbau

  Neons außen und innen, Installation fertiggestellt

  Begrüßung durch die 1.Vorsitzende Silvia TL und den 1. Beigeordneten Jürgen Katz

  Einführungsrede durch den Künstler selbst

  Vernissagegespräche

  schwarzwasser – Spiegelung

Harald Kröner? In der Financial Times Deutschland vom 4.7.2008 liest man von ihm: „Das ist für mich das Faszinierendste am Zeichnen, dass jeder, der sich zeichnend sein Terrain erobert, gleich auch ein ganzes Universum, eine völlig neue Sprache erfindet. Und dennoch kann jeder diese neue Sprache sofort lesen. Wenn ich in einer Ausstellung einen neuen Zeichner kennenlerne, fühle ich mich oft wie Christoph Kolumbus bei der Entdeckung eines neuen Kontinents. Geistiges Neuland. Und das Kunstwerk wäre dann, um im Bilde zu bleiben – das Ticket für die Reise.“ Da war man ja gespannt, wohin die Reise gehen würde ...

„Eine Ausstellung, die vibriert, die Bilder beginnen zu tanzen!“ Dieser erste Eindruck einer Besucherin erfreute den Künstler ganz besonders. Harald Kröner seinerseits erfreute die Vernissagegäste mit einer sehr persönlichen lebendigen Einführungsrede, die seine nicht für jeden sich gleich erschließende ungegenständliche Arbeitsweise plausibel beleuchtete und seine Ideen, auch Anregungen aus seinem längeren Japanaufenthalt, verständlich vorstellte.

Zunächst allerdings erzählte er von James Joyces Nacherzählung der urkomischen Fabel THE ONDT AND THE GRACEHOPER (wortspielerisch für „ Ameise und Heuschrecke“), dessen Sinn für das Phantastische und phantasievollen Sprachgebrauch. Gracehoper hat Kröner auch als leuchtendes Neon außen an die Kapelle montiert, was man ja direkt als ‚Gnade-Hoffender’ übersetzen kann.

Mit dem in mehrfacher Weise schillernden Neon „Gracehopper“ außen an der Südwand der Kapelle beginnt Harald Kröner seine für die Wendelinskapelle konzipierte Installation „Matsushima“. Es ist die Außenschale eines Matrjoschka (russisch Матрёшка)-Prinzips, das im Inneren weitere Kunst-Schalen bereithält: im Dachbereich über dem ‚White cube’ andere Leuchtschriften mit ähnlicher Bedeutungsspielerei, dann die Innenwände selbst mit großformatigen Papierarbeiten. Diese Ausstellungs-Schale wiederum umschließt eine weitere, die sich aus zwei sich gegenüber stehenden Pultreihen bildet, auf die viele kleinere Bildnotizen gestellt sind. Und im Kern auf dem Boden liegend mitten im Raum ein Objektrahmen mit einem Fundstück – wie man aufgeklärt wurde – aus Matsushima, dem skelettiertem Kopf eines Samuraikäfers! Ein Meditationsraum mit verhängten Fenstern, die scheinbar lässigen Papierarbeiten, meist bedeutungsvoll in Rahmen gefasst, warten auf Entschlüsselung...

...wird fortgesetzt - oder besser: lauschen Sie dem Künstler selbst mit Klick auf seine Einführungsrede!       (Dann öffnet sich ein Fenster und Sie können 25 Minuten der Vernissage-Einführung herunterladen und nach 3 oder 4 Minuten nacherleben)