Kunst Forum Weil der Stadt

 

     

Vernissage albertrichard PFRIEGER, „Ganz einfach immer“- erste Eindrücke: „insgesamt heiter“, „dreist“, „da komm ich nicht mit...“. Klaus-Peter Fritschi (Bildmitte oben links zwischen Gabriele Bauer M.A. und dem Künstler), zum letzten Mal in seiner Eigenschaft als Bürgermeistervertreter, ging darauf in seinem Grußwort für die Stadt mit einem Spruch von Christoph Schlingensief trefflich ein - „Kunst wird erst dann interessant, wenn wir vor etwas stehen, das wir nicht gleich restlos erklären können“. Bereitwillig übergab er Erklärungsversuche auch gleich der Kunsthistorikerin Gabriele Bauer, die dann verständnisinnig in die ästhetische Poesiewelt des Künstlers einführte. Tatsächlich muss man sich auf die vorschnell als wenig kunstvoll abgeurteilten meist kleineren Arbeiten erst einlassen, um in deren interpretationsreiche Dimensionen vorzustoßen. Als Zauberwort gebrauchte sie den Begriff „langweilige Gestik“:

„’Gelangweilte Gestik’ ist nicht nur der immer wiederkehrende Titel zahlreicher Arbeiten und Ausstellungen, sondern auch ein Grundantrieb seines Schaffens. Er setzt damit der Vorstellung vom gestischen Ausdruck als Inbegriff des Spontanen und Unbedingten kontrapunktisch eine andere Sichtweisen entgegen und entwickelt in diesen Arbeiten die formalen Grundlagen der lyrischen Abstraktion für sich weiter, ohne diese jedoch vollständig zu verleugnen.“ Sein Arbeiten erfordere ein Höchstmaß an Hingabe, liefere sich mit äußerster Gelassenheit den sich wiederholenden Schwüngen, Wischen, Klecksen, Formen aus, ohne in eine „Monotonie zu verfallen, die nun wirklich, und hier im negativen Sinne des Wortes, langweilig wäre.“

„Für mich muss eine Arbeit unbequem sein, dann ist sie gut“ sagt albertrichard Pfrieger und spricht damit einen weiteren zentralen Punkt seiner Arbeit an: Die Notwendigkeit, rechtzeitig den Arbeitsprozess zu stoppen, bevor er in ein harmonisierendes Weben übergeht und der Arbeit die Härte, die innere Reibung nimmt. Hier arbeitet er mit dem im strengen Sinne der Bildhauerei zugeordneten Non Finito, dem Unfertigen, als autonome und bewußt forcierte Darstellungsform, die es dem Betrachter überläßt, die Arbeit für sich selbst gedanklich zu vervollständigen, oder sie in diesem unbequemen und fordernden Zustand zwischen Vorläufigem und Finalen zu belassen.

"Wenn unsere Auseinandersetzung mit dem Werk des Künstlers, der Dialog zwischen Betrachter und Betrachtetem, spannend und fruchtbar werden soll, so sollte aus der Frage: „Was ist es?“ - das Horchen auf die Empfindungen sich entwickeln: „Was macht es mit mir, was bewirkt es, was löst es aus?“

Diese Arbeiten wollen erobert werden, oftmals sind sie spröde, unbequem und abweisend. Und genau hier liegt der Reiz - diese Arbeiten fordern, denn wenn man sie erobert hat, lassen sie einen nicht mehr los." (Gabriele Bauer)