![]() |
||
Thomas Ruppel, Saskia Schultz"Bilder, Objekte, Druckgraphik"16.11.-7.12.2008
Das Kunstforum präsentiert in der letzten Ausstellung 2008 eine Kombination aus
Gegensätzen: Künstler / Künstlerin, Malerei / Druckgraphik, abstrakt / figürlich.
Die Einladungskarte oben zeigt Ateliereinblicke.
Thomas Ruppel (*1960 in Ebingen) ist in seinen Gemälden sowohl der Hard Edge als auch der
Farbfeldmalerei verpflichtet. Die Grundanlage der Bilder ist relativ schnell erfaßt: horizontale und
vertikale Linien teilen die Bildfläche in Streifen, konzentrisch ineinander geschachtelte Rechtecke
oder mäanderartige Formen. Ein solcher Verzicht auf überkomplexe Kompositionen ermöglicht ihm
die Entwicklung der Bildanlage und Wirkung komplett aus der Farbe heraus, als deren Meister er
sich auch erweist. Feine Tonalitäten in der Farbwahl und -zusammenstellung eröffnen seiner Malerei
emotionale Qualitäten, die, abseits von jeglicher Expressivität, sich an den Erinnerungshaushalt der
Betrachter richtet. So wie ein bestimmter Duft ein Leben lang mit bestimmten Ereignissen verknüpft
sein kann, erinnern einen Thomas Ruppels Malereien an die Farbwelten bestimmter Gegenden oder
Räume und die emotionalen Erlebnisse, die mit diesenverknüpft sind.
Wer nach dem tieferen Sinn in seinen Arbeiten suchen möchte, könnte diesen daher in der Frage
finden, inwiefern Kunst als ein Mittel betrachtet werden kann, subjektive Eindrücke in Ordnungen zu
übersetzen, die diese dann objektivierbar machen. Information wäre hier damit wörtlich zu verstehen,
als ein in Form Setzen.
Saskia Schultz(*1978 in Stuttgart) hat sich schon während ihres Studiums in ihrer Arbeit neben
Glasgestaltung traditionellen Drucktechniken zugewandt. So hat sie sich in den letzten Jahren
intensiv der Radierung als künstlerischem Ausdrucksmittel bedient. Sie orientiert sich dabei
entschieden an figürlicher Darstellung, ihr druckgraphisches Werk zeigt in hohem Maß ihr
zeichnerisches Können wenn sie beispielsweise Figuren mit einer präzisen Linie umreißt und
durch entschiedenes, aber verhalten eingesetztes Hell- Dunkel im wahrsten Sinn des Wortes
zum Leben erweckt. In Ihren Linolschnitten erwächst die oft erzählerische Bildfolge aus einer
z.T. dramatischen Dunkelgrundigkeit.
Sehr persönlich und weiblich wirkende, manchmal am eigenen portraithaften Abbild orientierte
Bilderzählungen lassen sehr eindringliche `psychisch´ wirkende Szenarien entstehen, die eine
teilweise bedrückend irritierende,groteske, aber auch eine humorvoll surreal und poetisch
wirkende Realität entstehen lassen und reflektieren.
Man ist zu einer Kunstausstellung geladen, sieht viele bekannte und unbekannte interessante Gesichter – aber bis auf 2 Heiligenfiguren (‚Verkündigung’ von Kamille Dacowicz) hoch über den Besucherköpfen zunächst keine Bilder! Die Wendelinskapelle hat etwas von ihrem sakralen Charakter wieder erhalten, aber ein Musiker- Duo (Johannes Opper und Steffen Rinker) spielt schwung- und stimmungsvoll jiddische Lieder!
Ein besonderes Konzept steckte in dieser anfangs befremdlichen Gruppenausstellung
junger Akademie-Studenten der Klasse Hewel mit dem Titel ‚KUNSUM’. Der Vernissage-
redner Jörg Scheller erläuterte es mit griffigen kunstphilosophischen Gedanken über die
Arbeitssituation Kunstschaffender heute am Ende ihres Studiums („Toaster und Tizian,
Duschgel und Duchamp!“). Sie finden sich im umfangreichen Katalog (www.kunsum.de)
zur Ausstellung wieder, in dem auch die Künstler mit ihren Arbeiten vorgestellt werden:
Simone Eckert, Astrid Schindler, Judith Lenz, Vincent Schmid, Kamil Dakowicz
und YI SUN.
"Kunst heute muss sich in einer Umwelt behaupten, die gewissermaßen einige ihrer besten Argumente geklaut hat und sie auf ihrem angestammten Feld, der ästhetischen Innovation, fortwährend bedrängt. ...Wenn die Kunst eine Differenz darstellen will, dann kann für sie inmitten ihrer hyperästhetischen Konkurrenz - nach Wolfgang Ullrich - nur als Losung gelten: ‚Tiefer hängen’.“ Mit diesen Vernissageworten ging Jörg Scheller auf den Umstand ein, daß die Künstler den Großteil ihrer Bilder auf den Boden abge- stellt hatten. Jugendliche haben mit diesem Ausstellungskonzept keine Probleme, älteren Besuchern entgingen vielleicht einige Feinheiten beim Betrachten der Bilder. Aber sicher nicht die „religiöse Aufladung“ der abstrakten Komposition von Vincent Schmidt durch das Hochstellen auf die Vitrine mit dem Hl. Sebastian, oder die „Migra- tion der Formen“ zwischen den anscheinend beliebig an der Wand lehnenden Foto- grafien von Simone Eckert und den geometrischen Ätzradierungen Astrid Schindlers.
„Zusammengezählt" heißt die Ausstellung von Heasun Kim und Thomas Putze!
Für beide ist Kunst ‚tat-sichtlich' ein Mittel über Dasein zu
reflektieren, für sie eher meditativ besinnlich, für ihn grotesk
sinnlich. Er führt den grübelnden Betrachter zum Schmunzeln oder aber
umgekehrt: der amüsierte Besucher gerät ins Nachdenken. So auch bei der
Performance zur Eröffnung diesen Sonntag: Thomas Putze auf schmaler
Plattform, gehalten von einem Pfahl hoch über den Zuschauern, jauchzt
zur Gitarre „I'm a man!" (Bo Diddley). Am Instrument jedoch befestigt
ist eine Klinge, die er beim Spiel im Bluesrhythmus durch den Holzpfahlsägt -
bis dieser schließlich bricht und der Künstler zu Boden stürzt.
Das Vernissage-Publikum, begeistert / betroffen, applaudierte!
Angela M. Flaig "in saecula saeculorum"Objekte und Materialbilder aus Flugsamen13.04. - 04.05.2008Angela M. Flaig schaut Samen mit all der in ihnen verborgenen Wirkenskraft. ...
In Rahmen werden diese Samen seriell geordnet, strukturell gereiht, feinstens montiert
auf weißes Pergamentpapier, Zeichnungen gleich. ...In Reih und Glied wirken die Samen
einander gleich, einem höheren Zweck unterliegend, doch bei genauer Betrachtung und
Würdigung jedes einzelnen, erkennen wir die Unterschiedlichkeit und Einmaligkeit. ...
Zu Erkenntnis wollen die Samenzeichnungen uns anregen, zum Nachdenken über die
Schönheit des Winzigen, über das Potential im Kleinsten, über das Entwickeln und
Wandeln der Natur.“ (aus der Vernissagerede von Marcus Keinath)
Den ‚Samensarg’ hatte die Künstlerin für die diesjährige Karfreitagsinstallation im
Rottweiler Heilig-Kreuz-Münster geschaffen, die Arbeit war dort in den Gottesdienst
eingebunden. In Weil der Stadt stand sie dagegen als freie Arbeit in einem längst pro-
fanierten, aber doch in Raumatmosphäre und durch Geschichte sakral wirkendem Raum.
In diesem Kontext erhielt sie ihre besondere Aussage. Bewusst trägt sie den Titel
‚in saecula saeculorum’ und nimmt damit einen Teil eines liturgischen Hymnus auf.
Mit dieser Formel schließt das Gloria patri: Ewig möge Lob und Preis gelten, jetzt und
immerdar, durch alle Zeiten bis in Ewigkeit.
Hanjo Schmidt„Gesichter“17.2. - 9.3. 2008
"...Wir sind ständig mit Bildern konfrontiert. Bildern, die uns verführen wollen. Einerlei,
ob es sich um Werbung, Plakate oder mediale Bilder handelt, das Gros dieser Motive ist
darauf angelegt, schnell erfasst zu werden. Die Botschaft soll sich mit einem knappen
Blick dechiffrieren lassen und sich einprägen. Die Malerei von Hanjo Schmidt widersetzt
sich dagegen einem nur konsumierendem Blick. Die Gesichter zerfallen vielmehr in ein-
zelne Partien, in malerische Einheiten. Die Malerei entwickelt ein Eigenleben, sie formu-
liert Subtexte, bildet Geflechte, Farbseen, tanzende Lineamente. Das stört und irritiert.
Und so zwingt Hanjo Schmidt den Betrachter, auf dem Bild zu verweilen, sich einzuse-
hen, es sich zu erarbeiten. Anstelle des schnellen Konsumierens muss man innehalten
und sich dem Sehen hingeben." (Adrienne Braun am 17.2.08)
"Gesichtsausdrücke interessieren mich, starke Gefühle wie Wut, Trauer, Freude.
Künstlersein bedeutet für mich ein Freiraum zum gründlichen Betrachten der Dinge
und Menschen... Es gibt ganze Serien von Emotionsbildern, die starke Gefühle wie Wut,
Trauer oder Freudezum Thema haben - ein bisschen hängt das mit der Wahl meiner
Modelle zusammen. Ich arbeite grundsätzlich nicht mit professionellen Aktmodellen,
weil mich Aktposen, ja das ganze Thema der Aktmalerei überhaupt nicht interessiert.
Ich nehme Schauspieler, die sind es gewohnt angestarrt zu werden und sie können
sich selbst zugunsten einer Rolle vergessen. Mit ihnen mache ich zig Fotos von einer
ganz bestimmten Rollensequenz. Das ist das Ausgangsmaterial.Die heftigen Gesichts-
ausdrücke interessieren mich schon deshalb, weil sie normalerweise immer nur
Sekunden dauern und man sie daher ohne Fotos gar nicht studieren kann."
(Hanjo Schmidt über seine großformatigen Gesichter)
|