Kunst Forum Weil der Stadt

 

Armin Rohr

Im Zentrum der Explosion

15.11.-5.12.2015

    Vernissage-Begrüßung durch Uta Dingethal - und Stadtrat Wolfgang Fischer für die Stadt

    Einführungs-Gespräch zwischen HP Schlotter und dem Künstler - Vernissagepublikum

    Armin Rohr vor seinen "Wandmalereien"

Armin Rohr, „Im Zentrum der Explosion“ - der Titel hat durch die jüngsten Terroranschläge in Paris eine unbeabsichtigte, aber erschütternde Aktualität gewonnen. In ihrer Begrüßungsrede der Vernissage am Sonntag verteidigte die Vorsitzende Uta Dingethal klar die Entscheidung, diese letzte Ausstellung des Kunstforums im Jahr 2015 nicht abzusagen: „Gerade in einer historischen Situation, in der die freiheitlichen Errungenschaften unserer Gesellschaft auf brutalste Art von Terroristen angegriffen werden, halten wir es besonders wichtig, mit den freien und unzensierten Ausdrucksformen der Kunst einen Contrapunkt zu setzen und damit auch unsere freiheitliche Gesellschaft zu verteidigen.“ Stadtrat und Vertreter des Bürgermeisters Wolfgang Fischer ging bei seiner Begrüßung ebenfalls spontan auf die dramatischen Vorgänge in Paris ein. Er bat darüber hinaus, bei allem aktuellem Mitleiden das Wechselspiel Opfer-Täter nicht zu vergessen, verwies dabei auf jüngste Offenbarungen des CIA zu Grausamkeiten gegen die 1. demokratisch gewählte Regierung unter Mossadegh im Iran, die der sogenannte wertorientierte Westen im Orient nach dem 2. Weltkrieg verübte, und das Buch „Wer den Wind sät“ (was westliche Politik im Orient anrichtet) von Michael Lüders.

Statt einer Rede erlebten die Vernissagebesucher dann lustig-lässig-interessante Gespräche zwischen HP Schlotter und dem Künstler. Der wurde mit seinen eigenen Fragen auf www.arminrohr.de konfrontiert: „Wann findet Malerei eigentlich statt?“... “Welche Tätigkeit meinen wir überhaupt? Beginnt Malerei mit dem Zeitpunkt, wo der mit Farbe getränkte Pinsel die Leinwand berührt & dauert so lange, bis sämtliche Farbe auf der Leinwand verschmiert ist? Oder beginnt Malerei schon mit dem Mischen von Farbe auf der Palette, auf einem Stück Pappe oder auf dem Fußboden vor der Leinwand? Oder mit dem Nachdenken, Vordenken, mit dem Planen und Entwerfen, mit dem Verwerfen?“ Für den die absolute Freiheit liebenden Künstler, der sich ja ständig mit malerischen Gedanken beschäftigt, sei eher das Beenden einer Arbeit das Problem: „Wenn ein Bild fertig ist, bin ich glücklich und gehe nach Hause mit dem Gedanken, die Bilder haben funktioniert. Am nächsten Tag geht der Prozess dann aber weiter...“. Rohr berichtete auch von seinem Projekt, an einem Bild ein Jahr lang immer weiter zu malen, bestenfalls Zustände zwischendurch fotografisch festzuhalten – „aber dann hätte ich ja nur 1 Bild, das ich verkaufen könnte!“ - Eine Preisliste der ausgestellten Arbeiten in der Wendelinskapelle liegt dort natürlich aus.

Auf die Feststellung HP Schlotters, dass er in einer Galerie abstrakter Malerei die expressiven Bewegungsspuren Rohrs immer wiedererkennen würde, und die Frage, ob dies ein Ziel des erfolgreichen Künstlers sei, konterte der: „Ich glaube, dass dies ein Versehen wäre“. Er habe bis 2013 ja figürlich gearbeitet, „hatte keine Lust mehr, mir fiel nichts mehr ein. Es ging dann zunächst mal um die Auflösung, sehr radikal, man weiß nicht, ob sich was formiert. ... Ich arbeite jetzt mit unterschiedlichen Techniken, mit dem, was in der Nähe erreichbar ist. Collagiere Filzfarbe, Zeichnung, Figuren, Chiffren, verwurstel das in ein Bild. Durchaus erruptiv, d. h. ich weiß nicht, was in den nächsten 5 Minuten passiert. Ich mach einfach etwas, worüber ich nicht nachdenken muss...“.

LKZ 18.11.2015

 


Reinhard Scherer

"Raumetappen"

20.09. bis 11.10.2015

Vernissage-Vorbereitung       Gruß stellv. Bürgermeisterin   Einführung Ricarda Geib M.A.

   Vernissagepublikum                                        Reinhard Scherer vor seinen Prägedrucken

"Raumfassung kristallin I"

Die Kunsthistorikerin Ricarda Geib, Stuttgart, fasste das bildhauerische Werk Scherers fasst allgemein zusammen: „In seinem bildhauerischen Werk schöpft Reinhard Scherer nahezu alle Möglichkeiten der Metallbearbeitung aus, setzt Gesetze des Volumens und der Statik außer Kraft, schneidet, schweißt, sucht und überschreitet Grenzen, stülpt das Innerste nach Außen. Die sinnliche Kraft des Werkprozesses zieht ihn in Bann. Vermeintlich geschlossene Körper, in denen, wohl austariert, die Spannung bis zum Äußersten vorangetrieben wird, stehen neben raumdurchlässigen, alle Materialität leugnenden Formationen.“ Konkret wurde sie bei Scherers „Raumfassung kristallin I: Vor dem Körper stehend, trifft der Blick mitten in das kantige Objekt und durchdringt es zugleich. Die imposante, steil aufgerichtete Raumplastik erkundet das Leervolumen und lenkt den Blick in die Höhe und Tiefe zugleich. Das reich gegliederte Objekt erinnert an den Bug eines Schiffes. Es handelt sich um eine Konstruktion aus Cortenstahl, deren Flächen (unregelmäßige Dreiecke, verschobene Rechtecke und Parallelogramme) keiner bestimmten geometrischen Ordnung folgen, sie widersetzen sich eher. Der Kontrast zwischen vermeintlich abgeschlossener Form und sich öffnendem Raum erzeugt eine dialektische Spannung. 

Man sieht den Körper von Innen und Außen und in ruhigen Formen konzentriert. Das geradezu physisch spürbare Gewicht des Objekts setzt sich im gleichen Atemzug außer Kraft, denn der Körper stemmt sich gegen die Gravität, als wolle er die Schwerelosigkeit erzwingen. In einem faszinierenden Balanceakt werden die Belastungen des Eigengewichts aufgefangen, die Auflagefläche minimiert. Ergebnis ist eine lebendige, energiegeladene Leere, wie die Stille nach einem Akkord.“ 

„...Innerhalb seines Werks stellen die Stahlprägungen eine bedeutende Serie dar... mit dem Schneidbrenner ausgebrannte Metalldruckstöcke werden unter Hochdruck (10 t) mittels eines Schlosserkranes auf angefeuchteten Kupferdruckkarton gepresst. Auf dem Büttenpapier hinterlassen die Druckstöcke tiefe Prägungen -  faszinierend zarte Zeichnungen, deren sensible Pigmentierung aus Rost und Zunderschicht sich allein physikalischen Kräften verdankt. Mit balkenartig geschlossenen, mitunter auch gekrümmten Formen schafft er im freien Raum der weißen Papierflächen ein schwebendes Spannungsfeld fragil zentrierter Körper ... Deutlich wird auch die experimentelle Dimension, als benutzte der Künstler das aufwändige Verfahren ... als Weg, weitere Erkenntnisse über die stoffliche Substanz seines bildhauerischen Schaffens zu erlangen. Die Kompositionen erinnern an Grundrisse, lassen an Spuren längst vergessener Kultplätze denken, deren archaische Wirkung durch das naturhaft gekörnte Kolorit unterstützt wird, als hätten sie eine Haut aus Zeit.“ (Ricarda Geib)

Die Ausstellung ging mit einem Künstlergespräch zu Ende. HP Schlotter dankte dem Künstler im Namen des Kunstforums für den enormen Aufwand beim Aufbau dieser sehr gelungenen „schönen“ Ausstellung und bezog sich mit dieser Charakterisierung auf Äußerungen vieler Besucher der Kapelle. Gerade dieses Schöne der Kunst, hier der abstrakten Stahlplastiken Scherers, wurde von den Vernissagebesuchern, darunter einigen Künstlern und Kunsthistorikern, kontrovers und engagiert diskutiert - eine Veranstaltungen, die auch Fragen interessierter Laien nach Sinn und Bedeutung abstrakter Kunstwerke eindrucksvoll beantwortete!

Leonberger Kreiszeitung vom 21.9.2015

Auch die Architektur der Weil der Städter Wendelinskapelle wurde für Scherer unmittelbar zum plastischen Erlebnis, indem er die „Ochsenaugen“ der Kapelle leicht verfremdet zum fotografischen Thema macht. Wie seine Plastiken sind sie raumhaltig - eben in der ortsgebundenen Wandmaterie.


Steffi R. Cramer

„Geschmacks-Muster & Häutungen“

5. - 26.7. 2015 im Steinhaus in Merklingen

   

   

   

Wer ein Geschmacksmuster anmeldet, möchte ein gewerbliches Schutzrecht genießen und somit eine ästhetische Gestaltungsform schützen lassen. Diese Geschmacksmuster sind aber nicht gemeint, wenn Steffi R. Cramer ihre Ausstellung im Steinhaus in Merklingen „Geschmacks-Muster und Häutungen“ nennt - und auch die Häutungen beziehen sich nicht auf die von Reptilien bekannten Vorgänge in der Entwicklung oder der Metamorphose bei Insekten und Spinnentieren. Beide Begriffe bezeichnen jedoch zentrale Vorgehensweisen in der künstlerischen Arbeit und der Formfindung von Steffi R. Cramer, wobei sie sich auf die bildnerische Auseinandersetzung mit der Natur beziehen.

Geschmacksmuster sind bei ihr die Formen, die Tiere z.B. Raupen in und auf Blättern hinterlassen, wenn es ihnen schmeckt, d.h. wenn sie auf dem Weg ihrer Nahrungsaufnahme zufällige organische Formen erzeugen. Diese werden dann verschiedenen materiellen und technischen Prozessen unterzogen und so zum bildprägenden Formvokabular vieler Arbeiten. Hell weiß finden sich diese Fraßspuren immer wieder als Papierschnitte auf dem Fußboden und der Treppe. In ihren „Häutungen“ präpariert sie Fruchthäute oder Blätter und fertigt mittels Licht fotografische Unikate. Diese und andere künstlerische Auseinandersetzungen mit Formen der Natur zeigt Steffi R. Cramer in ihrer Ausstellung, und schon der Untertitel zu Geschmacks-Muster und Häutungen : „Fotografie, Holzdruck, Malerei, Spraypaint, Installation“, weist auf die Vielfalt der künstlerischen Techniken hin.

Die Ausstellung im historischen Steinhaus wurde am 5.Juli mit einem Grußwort der ersten Beigeordneten Frau Susanne Widmaier und der Begrüßung durch die Kunstforumsvorsitzende Uta Dingethal eröffnet. Der exquisite musikalische Beitrag von Els Jordaens und Lucia Cericola mit Flöte und Harfe begeisterte das Vernissagepublikum. Die einführende Rede hielt  Dr. Klaus Grabowski, der Journalist und Kunstbeobachter. Unter dem Titel: „Kunst und Natur - oder: Natur und Kunst?“ sprach er eingehend und doch unterhaltsam über die vielfältigen Beziehungen. In dieser Tradition, so führte Graboswki aus, ist Steffi Cramer nicht an der früher oft geübten Imitation der Natur interessiert. Bei ihr entstehen durch die subjektive Wahl der Ausschnitte abstrakt anmutende Bilder und Objekte, die aber auf konkrete Naturbeobachtungen zurückgehen.

Die Ausstellung im Steinhaus zeigt einen umfangreichen Einblick in das Schaffen der Weil der Städter Künstlerin. Betritt man das historische Gebäude, so empfängt einen im unteren Stockwerk, dem niedrigsten der drei Geschosse, eine Serie grafischer Blätter, bei denen nicht die Farbe, sondern die Linie und die Hell-Dunkel Strukturen die Hauptrolle spielen. Dasselbe gilt für die gezeigten gehängten Objekte in der Installation “Vulva Naturalis“. Im ersten Stock eröffnet sich dann der ganze Reichtum der farbigen Kompositionen mit großformatiger Malerei auf Papier und vielfältigen kleineren Bildwerken („Botanic Codes“), die sich an den Steinhauswänden emporziehen und selbst die Fensterlaibungen und Raumöffnungen mit einbeziehen.

Das dritte Stockwerk, das die anderen überragt ist zunächst den fotografisch umgesetzten „Häutungen“ gewidmet. In der Mitte hat Steffi Cramer Fraßspuren im Original installiert und transparente Bilder vor den Fenstern platziert. Einen besonderen Akzent bildet die so genannte Bienenflügelinstallation aus gewachsten Papierformen, die auf die Bedeutung der Bienen in unserem Ökosystem und die Bedrohung durch das Bienensterben hinweisen kann.

Dr. Graboswki: “Steffi R. Cramer sucht keine Effekte, die auf Schönheit zielen; das ist für sie keine künstlerische Kategorie. Dennoch, Schönheit taucht in der Kunst immer wieder auf, wobei sie über Abbild und Idealisierung längst hinausgewachsen ist.“

 


Beate Baumgärtner und Stefanie Reling

„Re: connected <Spammuseum-Chatbook>"

26.4.-17.5.2015

  

 

  

 

Im Vordergrund der Ausstellung „Re: connected " steht die Auseinandersetzung mit virtuellen Kommunikationskulturen, in welchen Codes, Zeichen, Symbole und Botschaften zum Ausdruck gebracht werden, die auf dem ersten Blick fremd und unsinnig erscheinen. Textcollagen, Plakate, Poster und Schriftbänder, sowie kleinformatige und überdimensionale Zeichnungen, überlagern sich an den Wänden – Leuchtkästen, (Wand-) Objekte und Skulpturen greifen in den Ausstellungsraum hinein. Diese scheinbar chaotische Unübersichtlichkeit spiegelt die virtuellen Quellen wider, aus denen sich Baumgärtner und Reling ihr Rohmaterial schöpfen und dieses zu Bild-Text- oder Objekt-Text-Collagen zusammenstellen.

Beate Baumgärtner schlüpfte für die Arbeit „Chatbook“ in die Rolle eines Voyeurs, der akribisch eine Plattform für Finanzspekulanten und Aktienhändler beobachtet. Ein Rollentausch findet statt, in dem der Außenstehende zum passiven Voyeur wird, der lediglich als Gast an dieser Gesprächskultur teilnehmen darf. Denn auf diese Finanzplattform werden keine Börsenkurven analysiert, sondern im Schutz der Anonymität Hemmungen abgebaut. Baumgärtner verwendet die Plattform als eine Datenbank, sodass bewusst Wiederholungen von Motiven stattfinden, jedoch stets in neuen Text-Bild-Konstellationen gesetzt werden. In der Wiederholung bleibt die Künstlerin somit dem virtuellen Sprachcode gerecht, in dem Emoticons wiederholt eingesetzt werden, um Gefühle oder Sehnsüchte auszudrücken. Da die speziell auf dieser Plattform verwendeten Emoticons einen starken Symbolgehalt aufweisen, werden sie auf Plakaten auch autonom platziert. Die Verpixelung, die durch die Hochskalierung  entsteht, wird von der Künstlerin nicht überarbeitet, sondern bewusst, um die Materialität dieser Symbole zu veranschaulichen, sichtbar gemacht. So ähnelt der biertrinkende Leprechaun durch seine ungeraden Konturen und die sieben hintereinander gereihten Schaumstoffplatten, der ihn zusammenhält, einem realgewordenen Grafikfehler, der sich zu uns in dieser Wirklichkeit gesellt.

Stefanie Reling studierte Bildhauerei bei Henk Visch an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und absolvierte 1999 die Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschülerin bei Fritz Schwegler. Seit 2007 beschäftigt sich die Künstlerin mit dem Thema „Spam“: Aus automatisch verschickten Junk- und Werbeemails filtert sie künstlerisch verwertbare Wortgebilde und Botschaften heraus. Die in englischer Originalsprache belassenen Sätze und Formulierungen werden mithilfe der Übersetzungsmaschine „google translate“ ins Deutsche übertragen und verlieren dabei ihrer Sinnhaftigkeit. Hiermit entstehen bildhafte, poetisch-philosophische Phrasen, die sich in dem Bereich zwischen verschlüsselten Bedeutungen und absoluter Sinnlosigkeit befinden. Seit 2008 pflegt sie in ihr Onlinearchiv „www.spammuseum.de“ mehrere solcher Phrasen, sodass ein breiter Fundus generiert werden konnte. Entsprechend ihrer Form enthalten die Sätze ein syntaktisches Gefüge, doch ein Sinnzusammenhang wird stets negiert. Programmatisch erscheint uns somit der Prosatext „Aber es ist nicht, was es erscheint“, den Reling als sogenannte Spamlesung 2008 im Württembergischem Kunstverein vortrug. Anders als sonst wird diese Geschichte nicht als fließende Rauminstallation oder als Spamcollage dargeboten, sondern via ein orangenes Telefon, das hier im Raum platziert und zum „lauschen“ bereitgestellt ist.

Reling ist keine Geschichtenerzählerin. Sie ist eine Bühnenbildnerin, die es schafft, ihre poetischen und kryptischen Wort-Bild-Collagen zu inszenieren. Dabei arbeitet sie mit dem vorgegebenen Raum, wenn sie die Skulptur des Patrons und Heiligen Wendelin in die Installation bewusst hineinbezieht. Der Kontrapost der Skulptur spiegelt sich im durchtrainierten Körper eines männlichen Models wider, das für eine Viagra-Werbung posiert. Reling thematisiert dabei den Glauben, der nicht nur in der religiösen, sondern auch in der profanen Sphäre signifikant ist – der Glaube an Gott wird dem Glauben an der eigenen Potenz gegenübergestellt.

Kennzeichnend für beide Künstlerinnen ist die Auseinandersetzung mit universalen Fragen, wie der Äußerung des Freiseins, der Begierde oder gar der Gewaltbereitschaft. Dies schaffen sie durch doppelbödige Zeichen und Codes, die mit Humor und Spaß an der Zusammenarbeit kombiniert werden. Welche Assoziationen die beiden Künstlerinnen durch das Arrangement disparater Symbolelemente herstellen mögen, bleibt für jeden Besucher selbst zum Erforschen frei.

(Einführungsrede von Petronela Soltész, gekürzt)

 

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Dr. Marko Burghard

"Die Inspiration des Schönen in Kunst und Naturwissenschaft"

Bebilderter Vortrag am 6. Mai 2015 in der Wendelinskapelle

Ein lebendiger Vortrag ludt ein zu einer Reise durch die gemeinsame Entwicklung von Kunst und Naturwissenschaft. Künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten zur Illustration wissenschaftlicher Sachverhalte sowie Ideen, die die Kunst von wissenschaftlichen Erkenntnissen übernommen hat, wurden als eindrucksvolle Zeichen wechselseitiger Inspiration in überzeugenden Beispielen vorgestellt. Dies führte darüber hinaus zur Frage, was die Herrlichkeiten der Kunst und die Wunder der Wissenschaft gemeinsam zur Sinnfrage des Lebens beitragen können.

PD Dr. Marko Burghard, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart, lebt mit seiner Familie in Weil der Stadt.

     Amüsant, interessant, wissenschaftlich: Beziehungen zwischen Kunst und Wissenschaft

    Doppelhelix bei Dali    -   oder Kunst inspiriert Wissenschaft: Snelson, "Tensegnity", 1960

    Fragen aus dem Publikum an den Referenten und angeregte Gesprächsrunden danach...

 LKZ, 9.5.2015

 

Siehe auch:  www.facebook.com/kunstforumweilderstadt.de

 

 


Nina Joanna Bergold, Agnes Mrowiec, Lisa Steinbauer

"Dunkelfelder"

1. - 22. März 2015

 

Einführung: Clemens Ottnad                        /     kalligraphisch anmutende Raumlinien

Gut besuchter Ausstellungsraum                      / Mrowiak li, Bergold re vor Ostchorfenster

erfasst: Dunkelfelder!            / entdeckt: Sabine Kurtz, MdL / entrückt: über Dunkelfeld

    

Arbeiten der 3 Künstlerinnen in einem Bild    /   Prof. C. Güdemann, Michael Nothdurft

„Dunkelfelder“ in der Wendelinskapelle, der späte Vernissagegast am Sonntag wird überrascht von einem Bienenschwarm an Besuchern. Immerhin erkennt man einen dunkel ausgelegten Boden und hoch über den Köpfen wolkengleich schwarze Liniengebilde. Sie entpuppen sich als riesigformatige Zeichnungen, immateriell geworden durch akribisches Herausschneiden des Bildträgers zwischen den Linien. Und diese: schweben im Raum, hängen vom Fenster... und diese: sind ebenfalls schwarz gerahmt (oder waren sie das schon immer?). Eine wundersam stimmige Installation! Zwischendurch erscheinen sattfarbige Bildwerke. Titel und Ausstellungsidee stammen von Nina Joanna Bergold, Agnes Mrowiec und Lisa Steinbauer, Studentinnen der Klasse Güdemann an der Kunstakademie Stuttgart: „In unseren Arbeiten fragen wir nach dem, was ist, aber nicht erfasst werden kann.“ Zur Eröffnung philosophierte Clemens Ottnad, Kunsthistoriker und Geschäftsführer des Künstlerbundes BW, gerade über diese Aussage und die Frage, wie wirklich ist Wirklichkeit noch?

Ottnad bezog den Aussstellungstitel auf die naturwissenschaftliche Methode der alten Dunkelfeldmikroskopie, die ohne die Durchleuchtung und Einfärbung der  Präparate bereits kontrastreiche Bilder zu liefern imstande war: „Anhand von Schnittzeichnungen und Malerei untersuchen sie...körperhafte Identitäten und Entitäten samt deren Wahrnehmung im Bild ausgerechnet dadurch, dass sie das besagte Einssein mit dem stofflichen Körper weitestgehend auflösen. Erst die Dekonstruktion des Körpers soll demnach zu Erkenntnisgewinnen über dessen eigentliche Beschaffenheiten und Existenz führen, und sie wird angesichts der drei künstlerischen Haltungen auf je eigene Art und Weise vorgenommen.“ Lisa Steinbauer zeigt neben Malerei auch Radierungen, über die S. Lüderitz in einem der Kataloge schreibt: „Der Mensch in unzähligen Facetten, verletzt, einsam, gedrängt, verstrickt in Beziehungen ... Nichts ist eindeutig und geordnet. Mit Wiederholungen und Schichtungen einzelner Motive erzeugt sie Dynamik und Vieldeutigkeit, die die innere Zerrissenheit der Geschöpfe wie einen Pulsschlag spürbar werden lässt.“

Mancher Besucher der Kapelle mag sich gar selbst als Teil der Ausstellung fühlen. Unwillkürlich fügt man sich ja in das Gesamtthema „Menschliche Existenzen“ als realistischer Part zwischen den raumgreifenden Scherenschnitten von Nina Joanna Bergold ein, sieht sich allerdings in den ungestümen farbrauschartigen Bildwerken der Agnes Mrowiak nicht gleichzeitig widergespiegelt. Man genießt darin die kraftvoll dynamische Gestik und malerische Hochkultur, entdeckt erst langsam noch so etwas wie bein- oder kopfähnliche Gestaltspuren. Menschliches Drama auch hier als Anregung für abstrakte Farb- und Formkompositionen.

Cordula Güdemann gab der Ausstellung ihrer 3 Studentinnen zur Finissage noch den professoralen Segen! Sie beantwortete bereitwillig Fragen der Besucher nach Arbeitsstil und Geist ihrer rührigen Akademieklasse, ebenso nach ihrer eigenen Arbeit. Und Konzertgitarrist Michael Nothdurft, als Besucher schon der Vernissage von den Bildwerken stark beeindruckt, hatte diesmal sein Musikinstrument dabei, setzte sich spontan vor einige der Kunstwerke und übersetzte seine tiefen persönlichen Eindrücke in erstaunliche klangliche Improvisationen!


(Einladungskarte)

Das Kunstforum beteiligte sich mit dieser Ausstellung an den „Frauenwochen Weil der Stadt 2015“.
Und wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung der Freunde der Akademie!