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Judit Tomcsik und Gergely Mészáros„Natur des Mangels“13.9.-11.10.2020
Die Ausstellungsöffnung verlief in der Wendelinskapelle dank umsichtiger Vorbereitung, auch exklusiv gestalteter Schutzmasken, erstaunlich unproblematisch. Während in Leonberg der Galerieverein seine Vernissage wegen Corona-Abständen 3 mal wiederholte, setzten wir am Samstag bereits ein ‚Preview’ an, bevor wir sonntags offiziell eröffneten. Im Grußwort der Stadt ging der Beigeordnete Jürgen Katz inhaltlich wohlüberlegt auf das Thema der Ausstellung ein (im Foto oben rechts gegenüber dem ungarischen Künstlerpaar): Während man vielerorts aktuell die Einschränkungen von Urlaubs- und Feiermöglichkeiten bemängelt, könne man natürlich auch die Ursachen, die tatsächliche Natur des Mangels, hinterfragen und in sinnvollen Verzicht umwandeln – "Vernunft statt Verlust!" Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf ein mögliches Verhältnis des Menschen zu Materiellem, zur Natur, aber auch zu Sakralem und Spirituellem. Dass Verlust nicht Mangel ist, dafür steht die den Kapellenraum dominierende 3-teilige Arbeit „Frauenakt in der Badewanne“ von Judit Tomcsik. Ein Digitalprint als Hochformat an der Westwand zeigt eine Frauenfigur in Originalgröße, ein Wachsabguß einer Tonfigur in einer Badewanne liegend. Davor steht die doppelwandige Stahlbadewanne mit einem eigenwilligen Bodenmuster, dessen Herstellungsprozess in einem Zeitraffer-Video daneben gezeigt wird: die Wachsfigur wurde durch Erhitzen zum Schmelzen gebracht, der 3-dimensionale Körper dadurch zu einem flachen Relief mit eigenartigem Muster reduziert. „Alles Lebendige wird verwandelt, substantionalisiert“, erfuhren die Vernissagebesucher im Künstlergespräch zwischen Hans Mendler und Gergely Mészáros. Das „unheimliche Muster“ produziert ein „metaphysisches Raumgefühl“. Mit „Verblühter Wegweiser“ verwandelte Gergely Mészáros seine Naturgedanken in ein plastisches Gebilde: Er spüre, dass die Dinge dynamisch sind, immer auf etwas hinweisen; wir können nicht alles sehen, wir wählen aus und mit der Wahl haben wir anderes verloren. Das ist die „Natur des Mangels“! Am Boden der Holzskulptur, einer langstieligen Pflanze mit Fruchtkopf mit roten Bruchstellen, liegen zahlreiche abgefallene wegweisende Hände (kleine Alugussformen). Ein Digitalprint an der Wand zeigt die mannshohe Pflanze noch in Blüte.
Dank dem Künstlerpaar aus dem ungarischen Pecs für das gebotene Forum für uns in Weil der Stadt und ihren erheblichen Ausstellungsaufwand!
Horst Peter SchlotterTage des offenen Ateliers27. und 28. 6. 2020"Weil Retrospektiv"-Ausstellung im Steinhaus entfällt, der Künstler bot eine Alternative:
Der Künstler konnte zufrieden sein, die vielen Besucher zumindest waren von Exponaten und Ambiente höchst angetan.
Anja Luithle„Tafelrunde“8.3.- 5.4./verlängert bis 5.7.2020Unsere 1. Ausstellung in diesem Jahr ist zugleich ein Beitrag zu den Weil der Städter Frauenwochen. Silvia Tanczos-Lückge, 2. Vorsitzende des Kunstforums, begrüßte deswegen nach der Künstlerin und Dr. Sonja Nolte, 1. Stellvertreterin des Bürgermeisters, die das Grußwort der Stadt engagiert-fröhlich überbrachte, auch Angelika Brombacher von der VHS und Sprecherin der Frauenwochen sowie Sabine Kurtz, als MdL Ausschussmitglied u.a. für Wissenschaft, Forschung und Kunst zuständig, sehr herzlich. Gespannt blickte die sonntägliche Besucherschar allerdings auf einen Mann, von dem sie sich eine interessante Einführung in eine tatsächlich ‚verrückte’ Welt der Tafelrunde versprach, Dr. Heribert Sautter.
„In der Mitte des Raumes stehen zwei Tische. Darauf befindet sich jeweils ein Service in Bewegung. ...Auf Dekoration wird vollständig verzichtet. Die Tassen bewegen sich nach einer unsichtbaren Choreografie wie von Geisterhand über den Tisch. ...Man hört das Klappern der Gedecke, fast meint man das Gemurmel der unsichtbaren Gäste zu hören. ... Die bewegten Tassen bilden die wechselnden Gesprächskonstellationen ab. Die Tafel ist der Kristallisationspunkt, der Anlass für Gespräche ... Man lädt Leute ein und präsentiert sich. Ganz wichtig dabei: Nicht jeder ist eingeladen, und es geht nicht nur nett zu, hier werden auch Menschen geschlachtet: Immer wieder kollidieren einzelne Tassen miteinander und drohen abzustürzen. Also wie im richtigen Leben.“ (aus der Einführungsrede von Dr. Heribert Sautter) Verzicht auf zu engen Personenkontakt (im Foto rechts unten die bedrängte Künstlerin) in Coronazeiten empfehlenswert! Leonberger Kreiszeitung vom 10.3.2020:
Inzwischen durften Kulturveranstaltungen unter bestimmten Auflagen wieder stattfinden, die „Tafelrunde“, noch nicht abgebaut, wurde mit Sonderöffnungszeiten sonntags nun zusätzlich mit „Wertpapieren“ präsentiert, diese (Foto rechts) mit Schmunzeln betrachtet – Kunst mit Humor! „Die Frage nach den Inhalten der Kunst wird sehr grundsätzlich in den Wertpapieren aufgeworfen, handelt es sich dabei doch um von der Künstlerin per Handdruckverfahren zu solchen veredelten Toilettenpapierstreifen. Diese erfahren durch den Aufdruck Wertpapier eine Aufwertung unbekannten Ausmaßes. Hier wird das Denken gefordert und die Ironiefähigkeit des Betrachters einem Lackmustest unterzogen. Die evidente Zweckmäßigkeit wird aufgeladen mit einem Versprechen, über dessen ideelle Wertsteigerung sich nur spekulieren lässt.“ (Michael Gompf im Katalog „Flüchtige Anwesenheiten“ von 2012). Am 5.7. endete die längste Ausstellung der Vereinsgeschichte schließlich doch mit einer improvisierten Finissage und dem parteilosen Bürgermeisterkandidaten Christian Walter (Bildmitte hinten), der kurzfristig den letzten Tag der „Tafelrunde“ zu einem gemeinsamen Frage- und Antwortspiel nutzte zum Thema „Politik und Kunst, Kunst und Politik“.
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