Kunst Forum Weil der Stadt

 

Susanne Immer

‚Skulpturen und Zeichnung’

18.2.-18.3.2018

Die erste Ausstellung des Kunstforums 2018 bestreitet Susanne Immer. Geboren wurde sie 1963 in Braunschweig und lebt jetzt in Reutlingen. Die Künstlerin wurde mit zahlreichen Stipendien und Förderpreisen bedacht, ihre Arbeiten befinden sich zum Teil im öffentlichen Raum.

"Susanne Immer interessiert sich formal für das Verhältnis von Linie, Licht und Fläche, von Form und Farbe, von Körper und Raum. Raum, Zeit und Energie, als die drei die menschliche Existenz bestimmenden Elemente, stehen im Mittelpunkt ihrer Untersuchungen."(Dr. Anja Eichler)

Es entstehen Zeichnungen, Raumzeichnungen, Objekte, für die Susanne Immer auch industrielle Materialien wie Gummi und vorgefertigte Formen wie Kunststoffstäbe und -rohre, in neue, unerwartete poetisch künstlerische Zusammenhänge bringt.

Die Ausstellung ist Programmteil der Weil der Städter Frauenwochen.

   Begrüßung Silvia Tanczos-Lückge und       Grußworte der Stadt von Susanne Widmaier

    Einführung Dr. Günter Baumann

    Susanne Immer (unten links) und »Geteilte Inseln« (darüber schwebend)

    Dr. Günter Baumann, äußerst dynamisch, - wie die Papierarbeit »StehenDrehenGehen«

Drei Reden eröffneten die Ausstellung "Plastiken und Zeichnungen" von Susanne Immer in der Wendelinskapelle. Zunächst begrüßte Silvia Tanczos-Lückge in Vertretung des erkrankten Vorstands Dr. Burghard u.a. auch etliche bisher nicht bekannte Kunstinteressierte. Noch-Erste-Beigeordnete Susanne Widmaier beglückte die Kunstforums-Gemeinde mit Grußworten des ebenfalls erkrankten Bürgermeisters Schreiber: „...Weil der Stadt darf sich freuen, solch ein Potential an künstlerisch engagierten Menschen unter ihren BürgerInnen zu besitzen, denn diese wirken nicht nur nach innen, sondern stets auch nach außen. Ihr Wirken strahlt auf die ganze Stadt in ihrer Gesamtheit aus! ...“

Und schließlich übernahm Dr. Günter Baumann von der Galerie Schlichtenmaier mit informativen und auch launigen Worten die Laudatio: „...Es freut mich besonders, deine Arbeiten hier in der Wendelinskapelle zu sehen und vorstellen zu können: in einer der schönsten Ausstellungslocations in der Stadt. Nun ist die Kunst Susanne Immers kein moralischer Grund, rot zu sehen, aber wenn Ihnen vieles hier doch eher rot als spanisch vorkommt, liegen Sie nicht falsch. Das wird uns noch beschäftigen. ...

»Geteilte Inseln« nennt Susanne Immer eine Reihe runder Gummischeiben, durch die rote Kunststoffstäbe getrieben sind. Die Idee ist zunächst ziemlich kurios. Wir dürfen die Künstlerin hier ganz wörtlich nehmen. Sie hat Inseln – man sollte hier den Titel gleich weiterdenken: auch Halbinseln – gesucht, die durch eine politische Grenze geteilt sind. ...Die roten Kunststoffstäbe sind so arrangiert, dass sie zusammen die Außenform tatsächlich geteilter Inseln bilden.... (Immer hat) die Trennung auf abstrakte Weise sichtbar gemacht: zum einen steht das Durchstechen der gummierten Scheibe auch für das schmerzliche Bewusstsein einer unnatürlichen Zweiteilung. Trennung ist aber auch sichtbar in der Positiv-/Negativform von Vorder- und Rückseite. Was hier rein formal gelöst ist, hat gesellschaftliche Relevanz: Für Susanne Immer sollen die Inselbeispiele den Wunsch beflügeln, allen Formen von Begrenzung, Entgrenzung, Ausgrenzung usw. einen Widerstand entgegenzusetzen. ...

Eine andere Thematik deutet Susanne Immer mit der Papierarbeit »StehenDrehenGehen« mit Linoldruckfarbe und Tusche an, die in Verbindung steht mit der Edelstahlplastik »mit-ein-ander«. Für einen Innenhof der Firma Riehle + Assoziierte in Reutlingen hat die Künstlerin im vergangenen Jahr eine monumentale Raumplastik mit eben jenem Titel STEHENDREHENGEHEN geschaffen, in deren Umfeld auch einige Papierarbeiten entstanden sind. ... (Sie) hat Metallstreifen schneiden und biegen lassen, vorstellbar in der Form der Plastik »mit- ein-ander«. Als eine Art Mobile erfüllte ihre mehrteilige Plastik den ganzen Innenhof. Aber auch am Boden ruhend ist die Dynamik spürbar. Alles hat seine innere Balance, die jedoch durch das Rot eine zusätzliche Energie erhält, die uns packt. ...

In ihren Serienbildern zum »Zeitenwandel« oder zum »Mohnfeld«, das wie die »Rosen im Herbst« ein zauberhaft poetisches Element ins Werk von Susanne Immer bringt, setzt sie Gummiringe ein, die durchaus geplant nach einiger Zeit, je nach den klimatischen Bedingungen, reißen – oder bleiben wir beim Bewegungsformat: springen. So zeigt sich auch der prozesshafte Charakter vieler ihrer Arbeiten. Auf die Ferne sind die Aquarelllinien nicht von den farbigen Reliktspuren der Gummis zu unterscheiden. Was Susanne Immer uns damit anschaulich macht, ist die Zeit – mit all ihrer Beständigkeit und Vergänglichkeit: Lebensspuren! Kurz und gut: Das Werk Susanne Immers ist dynamisch, energetisch, kreisbewegt, lebensnah – und, das habe ich eingangs schon als Wesenszug genannt: rot! ..."