Kunst Forum Weil der Stadt

 

 

 

 

 

 

Aktuell ist Sommerpause! Wir bereiten uns vor auf unser Jubiläumsfest

"25 Jahre Kunstforum" am 14.9.2019 im Klösterle und die dazugehörige

Ausstellung in der Wendelinskapelle...


albertrichard Pfrieger

"ganz einfach immer"

5.5.-2.6.2019

     

Vernissage albertrichard PFRIEGER, „Ganz einfach immer“- erste Eindrücke: „insgesamt heiter“, „dreist“, „da komm ich nicht mit...“. Klaus-Peter Fritschi (Bildmitte oben links zwischen Gabriele Bauer M.A. und dem Künstler), zum letzten Mal in seiner Eigenschaft als Bürgermeistervertreter, ging darauf in seinem Grußwort für die Stadt mit einem Spruch von Christoph Schlingensief trefflich ein - „Kunst wird erst dann interessant, wenn wir vor etwas stehen, das wir nicht gleich restlos erklären können“. Bereitwillig übergab er Erklärungsversuche auch gleich der Kunsthistorikerin Gabriele Bauer, die dann verständnisinnig in die ästhetische Poesiewelt des Künstlers einführte. Tatsächlich muss man sich auf die vorschnell als wenig kunstvoll abgeurteilten meist kleineren Arbeiten erst einlassen, um in deren interpretationsreiche Dimensionen vorzustoßen. Als Zauberwort gebrauchte sie den Begriff „langweilige Gestik“:

„’Gelangweilte Gestik’ ist nicht nur der immer wiederkehrende Titel zahlreicher Arbeiten und Ausstellungen, sondern auch ein Grundantrieb seines Schaffens. Er setzt damit der Vorstellung vom gestischen Ausdruck als Inbegriff des Spontanen und Unbedingten kontrapunktisch eine andere Sichtweisen entgegen und entwickelt in diesen Arbeiten die formalen Grundlagen der lyrischen Abstraktion für sich weiter, ohne diese jedoch vollständig zu verleugnen.“ Sein Arbeiten erfordere ein Höchstmaß an Hingabe, liefere sich mit äußerster Gelassenheit den sich wiederholenden Schwüngen, Wischen, Klecksen, Formen aus, ohne in eine „Monotonie zu verfallen, die nun wirklich, und hier im negativen Sinne des Wortes, langweilig wäre.“

„Für mich muss eine Arbeit unbequem sein, dann ist sie gut“ sagt albertrichard Pfrieger und spricht damit einen weiteren zentralen Punkt seiner Arbeit an: Die Notwendigkeit, rechtzeitig den Arbeitsprozess zu stoppen, bevor er in ein harmonisierendes Weben übergeht und der Arbeit die Härte, die innere Reibung nimmt. Hier arbeitet er mit dem im strengen Sinne der Bildhauerei zugeordneten Non Finito, dem Unfertigen, als autonome und bewußt forcierte Darstellungsform, die es dem Betrachter überläßt, die Arbeit für sich selbst gedanklich zu vervollständigen, oder sie in diesem unbequemen und fordernden Zustand zwischen Vorläufigem und Finalen zu belassen.

"Wenn unsere Auseinandersetzung mit dem Werk des Künstlers, der Dialog zwischen Betrachter und Betrachtetem, spannend und fruchtbar werden soll, so sollte aus der Frage: „Was ist es?“ - das Horchen auf die Empfindungen sich entwickeln: „Was macht es mit mir, was bewirkt es, was löst es aus?“

Diese Arbeiten wollen erobert werden, oftmals sind sie spröde, unbequem und abweisend. Und genau hier liegt der Reiz - diese Arbeiten fordern, denn wenn man sie erobert hat, lassen sie einen nicht mehr los." (Gabriele Bauer)

 


 

   

   

Samstag 6.4.2019 - Kunstfahrt nach Rottweil: Kunststiftung Hauser und Thyssen-Testturm, Galerie Schloss Glatt und Ateliererlebnis Norbert Stockhus.

Das Anwesen Erich Hauser ist ein einzigartiges Ensemble aus Kunst und Architektur in einer weitläufigen Parklandschaft, in der die Edelstahlskulpturen aus allen Werkphasen des Bildhauers präsentiert werden. Der 246 m hohe Thyssenkrupp-Testturm in Rottweil dient der Erprobung von Hochgeschwindigkeitsaufzügen. Er bietet Deutschlands höchste Aussichtsplattform, einen weltweit einmaligen Aktiv-/Passiv-Pendel und eine bereits ausgezeichnete (Deutscher Ingenieurbaupreis 2018) textile Fassade!

Ein voll besetzter Kunstfahrt-Bus erreichte am Samstag das Gelände der Kunststiftung Hauser in Rottweil auf dem ehemaligen Salinengelände. Kenntnisreich und unterhaltsam wurden wir durch Werkstatthalle, Ausstellungsraum, aber auch die Wohnräume mit Blick auf den Skulpturenpark und mit beeindruckender Sammlung moderner Kunst geführt. Interessant auch der Einblick in Erich Hausers Wohnpyramide. Weiter ging es zum Thyssen Testturm in Rottweil. Dort wurden wir ohne Wartezeit mit dem schnellen Aufzug zur Aussichtsplattform in 232 m Höhe transportiert, wo wir Informationen zum Turm bekamen, sowie den beeindruckenden Ausblick bei schönem Wetter genießen durften. Ganz trefflich geplant auch die Mittagspause im „Badhaus“ in Rottweil mit exklusivem Empfang im stilvollen Ambiente und köstlicher Bewirtung. Zugabe dabei war die Information der Wirtin über die ehemalige Duttenhofersche Schießpulverfabrik. In Glatt schloss sich der Besuch des faszinierenden Ateliers des Malers Norbert Stockhus an. Den Abschluss bildete der Besuch des historischen Glatter Wasserschlosses bzw. die Einkehr im legendären Café im Schlosshof.

 


Stefanie Ehrenfried

Filzplastiken

24.2.-24.3.2019

  

   

    

Ungewöhnlich war vieles an der Vernissage Stefanie Ehrenfried in der Wendelinskapelle vergangenen Sonntag. Anfangs wurden die Besucher von einer eigentümlichen Geräuschkulisse überrascht, einer Stimmperformance, die einige Akteure aus dem Publikum, von der Künstlerin angeregt, in den Klangraum der Kapelle schickten. Dann hielt Dr. Heilig (Foto unten links) ihre Einführung nicht wie gewohnt ‚ex cathedra’, nein, sie lief im Ausstellungsraum umher, sprach die Zuhörer direkt an! Dass es nicht bedeutungslos sei, diese Ausstellung hier in der spätgotischen Wendelinkapelle, einem traditionsreichen Ort der Geistigkeit,  einzurichten: „Dieser geschützte Raum, der sich wie eine behütende Ummantelung um die weichen Kunstwerke legt, unterstreicht die Intimität ihrer Erscheinungen.“ Und ungewöhnlich diese Kunstwerke selbst, vor allem deren Material: Schafwolle! Sie wirken zunächst wie Marmorskulpturen, reflektieren aber das Licht nicht, absorbieren es und ziehen den Blick ins Innere dieser warmen, elastischen, trotzdem stabilen Figurenplastiken. Schließlich deren feiner Geruch...

Die in Neckarsulm geborene Künstlerin hat an der Stuttgarter Kunstakademie studiert und arbeitet seit Jahren mit einem für großformatiges plastisches Arbeiten ungewöhnlichen Material, nämlich Schafwolle. Monumentalität und Farbigkeit lassen zunächst Bildhauerarbeit vermuten, die Arbeiten sind aber durchgehend aus dem organischen Material, der rohen Wolle gefertigt, die mit der Filznadel verdichtet und so plastisch aufgebaut werden. Beim Betrachten und Erfühlen dieser Objekte erzeugt dies einen weichen und warmen Eindruck.

Als Figuren überindividuellen Ausdrucks gleichen sie oft verfremdeten menschlichen Figuren wie Wesen aus Fabeln und Mythologien.

Die Ausstellung ist Teil der Frauenwochen Weil der Stadt.

 

Eindruck und Information auch in der SWR Mediathek Landesschau Baden Württemberg „Nadelgefilzte Skulpturen“.

(https://swrmediathek.de/player.htm?show=3ebe98d0-d5fd-11e7-a5ff-005056a12b4c)